Die Lehrfahrt der HDL25 in Würzburg
Im Rahmen einer Lehrfahrt zum Thema Weinbau besuchte die Klasse HDL25 am 17. Juni 2026 das traditionsreiche Weingut Bürgerspital in Würzburg. Als Teil einer über 700 Jahre alten Stiftung, die sich primär der sozialen Fürsorge widmet, vereint dieser Betrieb erfolgreich historische Wurzeln mit moderner Weinbaukultur.
Während unserer Besichtigung erhielten wir faszinierende Einblicke in die Arbeitsweise eines der bedeutendsten VDP-Weingüter Deutschlands. Mit einer beachtlichen Rebfläche von 120 Hektar, die sich vorwiegend im Würzburger Stadtgebiet auf Muschelkalkböden erstreckt, konzentriert sich das Weingut auf klassische Rebsorten wie Silvaner, Riesling und verschiedene Burgunder.
Besonders lehrreich waren die Erläuterungen während der Führung zur Qualitätsstrategie des Hauses: Diese beginnt bereits im Weinberg durch konsequente Handarbeit. Durch Maßnahmen wie die sorgfältige Laubpflege und eine gezielte Ertragsreduktion stellen die Winzer sicher, dass die Trauben ihre optimale physiologische Reife erreichen, was die entscheidende Basis für das hohe Qualitätsniveau der Weine bildet. Im Keller angekommen, setzen die Winzer auf eine schonende Verarbeitung, unterstützt durch eigens entwickelte Transporttechnologien, die eine direkte und unbeschadete Anlieferung gewährleisten. Beim Weinausbau legen die Kellermeister großen Wert darauf, die Lebendigkeit des Weins zu erhalten. Ziel ist es, den speziellen Charakter der jeweiligen Lage – etwa vom Würzburger Stein – klar herauszuarbeiten. Abgerundet wurde der Besuch durch eine Einführung in die fachgerechte Verkostung, bei der wir lernten, worauf es bei der sensorischen Beurteilung ankommt und wie man die Qualität eines Weins objektiv bewertet.
Nach einer kurzen Pause an der Würzburger Mainbrücke sowie einem gemeinsamen Mittagessen führte uns der Nachmittag zum Lohnunternehmen Hofmann. Das Unternehmen ist ein breit aufgestellter Dienstleister, der weit über die klassische Landwirtschaft hinaus agiert.
Während der Besichtigung wurde schnell deutlich, wie komplex die Anforderungen an ein modernes Lohnunternehmen heutzutage sind. Der Betrieb deckt ein beeindruckendes Spektrum ab: Neben der klassischen landwirtschaftlichen Auftragsarbeit in den Bereichen Bodenbearbeitung, Aussaat und Ernte, umfasst das Portfolio auch Aufgaben im Erdbau, bei der Flächengestaltung sowie im Bereich der kommunalen Dienstleistungen wie dem Winterdienst. Diese enorme Vielfalt ermöglicht es dem Unternehmen, saisonale Schwankungen auszugleichen und das gesamte Jahr über eine hohe Auslastung der Technik zu gewährleisten.
Ein besonderer Schwerpunkt der Besichtigung lag auf der spezialisierten Weinbautechnik, über die das Unternehmen verfügt. Da das Lohnunternehmen in einer ausgeprägten Weinbauregion agiert, bietet es maßgeschneiderte Lösungen an, die den Winzern in arbeitsintensiven Phasen entscheidend den Rücken freihalten. Wir konnten dabei moderne Vollernter und spezielle Maschinen für die effiziente Bodenpflege in den Steillagen begutachten. Besonders beeindruckend war die Erläuterung dazu, wie diese Technik so konfiguriert ist, dass sie auch unter den anspruchsvollen topografischen Bedingungen unserer Region präzise und bodenschonend arbeitet. Dieser technologische Einsatz ermöglicht es den Winzern, auch bei großen Flächen oder schwierigen Hanglagen eine hohe Arbeitsqualität bei gleichzeitig optimaler Geschwindigkeit sicherzustellen.
Der Besuch bei der Firmengruppe Hofmann bot uns somit einen hervorragenden Kontrast zum Vormittag: Während wir im Bürgerspital die Handwerkskunst des Weinbaus und das langsame Reifen des Weins sahen, stand hier die industrielle Schnelligkeit, moderne Technik und die professionelle Organisation komplexer logistischer Prozesse im Vordergrund.
Wir danken sowohl dem Bürgerspital als auch der Firma Hofmann für die fachkundigen Führungen. Die Exkursionen haben uns eindrucksvoll gezeigt, wie hier der Spagat zwischen traditionsreichem Handwerk, sozialer Verantwortung und hochmoderner Technik erfolgreich gemeistert wird.
Text und Bild: Karolina Eff, OStRin
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